PodCast von WE THINK DIFFERENT

Franziska Gütle-Schettler und Christian Bäumer teilen in diesem Format alle 14 Tage ihre Erfahrungen. Kurz und Knackig sind die Episoden. Keine Informationsflut, sondern reichhaltige Impuls, die zum weiterdenken einladen. Wer sich mit KAZIEN, LEAN und NEW WORK beschäftigt, oder gar das Unternehmen in dem er arbeitet verändern möchte, der sollte diesen PodCast nicht auslassen. Mit viel Liebe und Expertise füttern Franziska und Christian die Hörer mit Ideen, Hinweisen und vielem mehr. Wir wünschen viel Freunde beim Zuhören!

Erlernte Hilflosigkeit abtrainieren

Was für ein toller Beitrag von Marco Jakob der mir bei LinkedIn „in die Timeline gespült wurde“. Beim ersten mal lesen wurde mir sofort klar, diese Erfahrungen kann ich nachvollziehen und teilen. Die Stommel Haus Akademie bietet genau diesen Raum für ihre Mitarbeiter, in dem sie ihre Ideen umsetzten, eigene Erfahrungen sammeln und sich gemeinsam weiterentwickeln können. Marco Jakob hat sich verschiedene Prinzipien überlegt, eines davon: „Nie eine Idee kritisieren.“ Warum er das für eine gute Sache hält und welche weiteren Prinzipien er sich vorgenommen hat, kannst Du im Beitrag nachlesen:

Klicke auf das Bild, um zur Webseite und dem Beitrag von Marco Jakob zu gelangen.
Bildrechte: Marco Jakob


Die gedankliche Brücke zur „erlernten Hilflosigkeit“ hat mir die Möglichkeit gegeben, weiter in die Thematik einzusteigen, um einen Abgleich mit der Erfahrung bei Stommel Haus zu machen. Auf diesem Weg bin ich auf den Beitrag von Vera F. Birckenbihl gestoßen, in dem sie gute Beispiele und Bezüge zur Forschung einbringt.

Was in Unternehmen diesbezüglich aufläuft und mit den „altbewährte“ Management-Methoden zu bewältigen versucht wird, ist eine Pflanze deren Samen im Kleinkindalter gesät wird. Wenn man den Zeitraum und den Aufwand (Kindergarten, Schule und Gesellschaft) betrachtet, denn es braucht um Menschen diese Hilflosigkeit anzutrainieren, dann darf sich niemand über den Aufwand des Abtrainierens wundern. Der größte Teil unserer Gesellschaft wurde entsprechend konditioniert, die Handlungen nicht zu hinterfragen. Wir machen, weil es schon immer so gemacht wurde. Das führt uns nur leider immer wieder in Sackgassen, aus denen wir nicht so leicht wieder heraus kommen. Damit wir lernen, unser tägliches Handeln kontinuierlich zu hinterfragen, müssen wir auch erstmal selbstbestimmt Handeln können. Das eine setzt das andere voraus. Ein tolles Beispiel, zum Verständnis dieses Gedanken, findest Du im Experiment des folgenden Videos:

Wer Interesse hat das Thema „Erlernte Hilflosigkeit“ zu vertiefen, dem empfehle ich gerne das folgende Video, aus der Reihe „Sozialpsychologie mit Professor Erb“. Dort wird nochmal ein detaillierter Blick darauf geworfen, der die Erfahrung in der Stommel Haus Akademie bestätigt:

Darüber hinaus verweist Professor Erb auf das Kontroll-Bedürfniss im Menschen, dass sich natürlich gegen die Entstehung von Vertrauens-Räumen stellt, in denen sich Menschen ausprobieren können. Sucht man im Web nach „Erlernter Hilflosigkeit“, findet man eigentlich nur Ratschläge die Hilflosigkeit zu überwinden. Ich denke, dass man die Überzeugung, die durch Konditionierung antrainiert wurde, auch wieder abtrainieren kann. Möglicherweise leichter, als wir uns das vorstellen können. Da die Überzeugung der eigenen Selbstwirksamkeit in unseren Genen vermutet wird. Daher betrachte ich es auch als ein Baustein der Agilität des Menschen, ergo auch der von Organisationen.

Die Selbstwirksamkeit, die Kinder evolutionär entwickeln, wird spätestens in der Schule, wenn nicht schon im Kindergarten ab trainiert. Das genau diese Überzeugung dazu dient die Veränderung im direkten Umfeld zu erzeugten, die für den Umgang mit unserer komplexen Welt notwendig ist, wird oft einfach verdrängt. Damit Menschen sich trauen, etwas Neues zu probieren, benötigen sie die Überzeugung der Selbstwirksamkeit. Wie Professor Peter Kruse darüber denkt, kannst Du im folgenden Video hören:

Das notwendige „Investment“ in die Mitarbeiter und Teams ist: Vertrauen. Zum einen in sich selbst, was uns zur Selbstwirksamkeit führt und gegenseitiges Vertrauen. Sowohl das der Führung in die Mitarbeiter, wie auch andersherum. Wenn der Mitarbeiter der Führung nicht vertrauen kann, wird es problematisch. Erik Nagel sagt: „Vertrauen schließt Kontrolle nicht aus.“ Was er damit meint, erfährst Du im folgenden Video:

Es geht also um Vertrauenskultur. Wenn möglich auf Augenhöhe, also respektvoll, ehrlich und fair. Ist das überhaupt möglich?! Robert Ehlert ist davon absolut überzeugt. Welche Vorstellungen von Vertrauenskultur er genau hat, versucht er im nachfolgenden Video „kurz“ zu erläutern:

Ich bin durch die Erfahrungen in der Stommel Haus Akademie, fest davon überzeugt, dass es genau so gehen kann. Wie sagt man so schön: „Nix muss, alles möglich.“ Dieser Spruch aus Teenager-Zeiten, bekommt hier irgendwie eine erweiterte Bedeutung. Natürlich ist man mit diesen Denkweisen nicht unbedingt sicher in der Planung und es lässt sich alles nur bedingt steuern. Es ist jedoch sehr viel Erfolg versprechender, sich konsequent nah am Kundenbedarf und deren Wünsch zu orientieren, als an Statistiken, utopischen Zielen und ständiger Umsatzsteigerung. Mitarbeiter wollen dem Kunden einen Dienst erwiesen, wie traurig, wenn man sie stattdessen mit Beschäftigungsmassnahmen davon abhält. Ich möchte als Abschluss dieses Themas noch eine nette Gesprächsrunde anfügen, in der verschiedene Unternehmer ihre Erfahrungen mit der Abschaffung von erlernter Hilflosigkeit und natürlich noch einiges mehr erzählen:

Prof. Dr. Peter Kruse auf die Frage: Können sie Prinzipien nennen, mit denen man auf Kultur im positiven Sinne einwirken kann?

Was für ein großartiger Denker und wie schade, dass er schon von uns gegangen ist. In diesem Beitrag spricht er eines der größten Missverständnisse unserer Zeit an. Aber schau selbst…

Gut, dass Du hier ins Kaizen Kollektiv gefunden hast. Wir bieten die Möglichkeit sich mit Informationen komplett zu Überfordern und den von Professor Kruse beschriebenen Fall herauszufordern. Ich kann diese Beschreibung absolut bestätigen, da sich so meine Weiterentwicklung der letzten 6 Jahre gestaltet hat. Was zu Beginn der Stommel Haus Akademie eher zufällig passierte, hat sich im weiteren Verlauf immer mehr herauskristallisiert. Wir experimentieren, laborieren und quälen uns zu einer Lösung. Ganz bewusst, haben wir verstanden, dass Dinge ihre Zeit benötigen und auch die richtigen Denker. Nicht selten kauen wir wochenlang mit verschiedenen Kollegen auf einem Problem herum. Probieren verschiedene Lösungswege aus und manchmal, lassen wir die Sache ruhen. Irgendwann, in den meisten Fällen, platzt der Knoten von alleine. Vielleicht auch, weil so viele Köpfe das Problem fokussiert haben. Es werden Gedanken dazu „herumgereicht“ und von verschiedenen Köpfen überdacht. Ganz oft streiten wir uns zwischendurch, manche Kollegen verlieren die Geduld, andere blockieren und am Ende hat irgendwer das „Ding“ gemacht. Wir sind uns immer öfter im klaren darüber, dass es nur gemeinsam geht. Darin sehen wir unsere gemeinsame Weiterentwicklung. Das geht nicht auf Knopfdruck und nicht mit Masterplan. Es gibt eine gute Umgebung für das gute Gelingen: Respekt gegenüber jedem und immer.

Der Mizusumashi oder Water Spider

Ich muss immer schmunzeln bei den Blicken, wenn ich meine Rolle bei Stommel Haus beschreibe. Klar ich könnte auch „Materialversorger“ sagen, oder „Feinlogistiker“, dass wird jedoch der Rolle des Mizusumashi im TPS nicht gerecht. Bei uns im Betrieb sagen wir „Interne Materialversorgung“, wenn es förmlich wird. Trifft jedoch auch nur knapp daneben. Am Ende heißt es in den meisten  Fällen, „ruf den Stephan per Funk“. Das ist die Realität, nur für Außenstehende schwer greifbar. Also möchte ich das Thema einmal aufarbeiten.

Der Materialfluss ist die eine Sache, doch was machen ich als Mizusumashi noch alles?

Selbst habe ich den Begriff das erste Mal von Erika Risi bei SIGA gehört. Dort hat Sie die Rolle kurz umschrieben und meine Neugier war geweckt. Zu diesem Zeitpunkt im September 2017, konnte ich mit Erikas Beschreibung nicht sehr viel anfangen. Inzwischen freut es mich, selbst als Mizusumashi bei Stommel Haus meine Kollegen zu unterstützen. Als wir uns im Januar 2017 auf den Weg „nach LEAN“ gemacht haben, wurde unterschieden in Produktion und Lager. Die Produktion wiederum war aufgeteilt in Halle 1 mit Zimmerei und Malerei, Halle 2 Wand- & Deckenfertigung und Halle 3 mit Endmontage Farben, Fenster, nebst Verlandung. Einen massives Problem war der hausgemachte Wettbewerb unter den Hallen. Ohne den „Anderen“ etwas böses zu wollen, wurde „geballert“ was das Zeug hält. So wurde in Halle 1 die Abbundanlage unter Volllast „gefahren“, weil „die muss ja laufen!“ Hat schliesslich genug Geld gekostet. Da wurden gelegentlich eingestreute Kommentare aus der Führungsetage gerne mal wörtlich genommen und führten anschliessen zu hektisch gefertigten Bauteil-Überproduktionen in bescheidener Qualität. Da wir jedoch auch 2017 schon die besten Holzhäuser gebaut haben, die es gibt, mussten wir ergo im weiteren Verlauf der Produktion mit Nacharbeit und Korrekturen die Mängel wieder ausbügeln. Ärger bei den folgenden Teams war natürlich inklusive. Ich springe jetzt in diesem Fall mal mit dem Verweis auf viel „Schweiß und Tränen“, einem täglichen Morgentreffen und einer unglaublichen Weiterentwicklung als gesamtes Team, in das Jahr 2022. Ich werde in Zukunft gerne noch ein paar Details zu unserem Weg ins hier und jetzt niederschreiben, jetzt geht es jedoch um die Rolle des Mizusumashi. Wir haben inzwischen eine „intere“ und eine „externe“ Materialwirtschaft. Die „externe“ ist Warenannahme/Wareneingänge und Kommissionierung/Warenausgänge. Das erledigt mein Kollege Thomas. Er hat auch noch andere Aufgaben, bei denen er die Kollegen in der Manufaktur und der Montage unterstützt. Die „interne“ Materialwirtschaft übernehme ich als Mizusumashi, was den Materialfluss per KANBAN und digitalen Ausgabesystemen betrifft. Ich versorge die Arbeitsplätze mit Material aus unserem eigenen Lager und kümmere mich um die Entsorgung von Abschnitten und nicht mehr brauchbaren Resten. Was natürlich auch die kontinuierliche Reduzierung dieser Überschüsse beinhaltet. Beim KANBAN haben wir sehr flexibeles und gut funktionierendes System. Wir haben bei sehr kleinem Lagerbestand, seit Jahren kein Materialmangel mehr gehabt.

Hier wird das eingetroffene Material direkt auf den Kanban-Wagen verräumt. Der Prozess wird direkt von der Palette runter durchgeführt, auf der die Paketdienste das Paket ablegen.

Die Rolle des Mizusumashi, bei Stommel Haus ist in sofern ein Dreh- und Angel-Punkt, als das dieser gemeinsam mit den Team-Verantwortlichen die Verantwortung für den gesamten Fluss der Manufaktur trägt. Er bewegt sich zwischen den Arbeitstischen und den anderen Teams, um den Überblick zu behalten.

  • Was ist an Material da, was wird in Kürze benötigt?
  • Benötigt jemand Werkzeug, ist alles bereit und funktioniert wie benötigt?
  • Gibt es Unstimmigkeiten, die einzelne Teammitglieder aus alten Gewohnheiten heraus nicht direkt ansprechen?
  • Gibt es Verschwendung, die vom Team nicht gesehen werden?
  • Gibt es Verbesserungen, bei denen das Team Unterstützung benötigt?

Das sind einige Kern-Themen des Mizusumashi. Der eben auch die Teams trainiert und sensibilisiert. Diese Arbeit ist sehr abwechslungsreich und natürlich auch schon Mal etwas stressig. Dann kann ich mich inzwischen auf die Team-Verantwortlichen verlassen, die das bemerken und mich dann wiederum unterstützen. Ein gutes Zusammenspiel zeigt sich in der Bewältigung von extremen Situationen und Krisen. In den letzten zwei Jahren, haben wir nur zu oft bewiesen, dass sich die Investition in Kommunikation (Morgentreffen), Offenheit (Respekt gegenüber jedem, immer!) und Mut (Alle treten gemeinsam aus der Komfort-Zone heraus) mehr als bezahlt gemacht hat. Wir sind inzwischen auf einem sehr guten Weg und es ist mir eine große Freude, ein Teil davon zu sein.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich nie einen Mizusumashi von Toyota oder sonstwo aus Japan kennengelernt habe. Auch gibt es leider sehr wenig echtes Material über die Arbeit dieser Rollen. Außer der amerikanischen Interpretation der Rolle. Daher haben wir vieles einfach aus dem Bedarf abgeleitet und der Rest hat sich entwickelt. Jedoch immer mit der Ursprünglichen Beschreibung von Erika Risi aus der SIGA Akademie. Dafür bedanke ich mich gerne noch Mal von ganzem Herzen. Ich freue mich sehr über Zuschriften, Kommentare und Rückmeldungen von anderen Menschen, die diese oder ähnliche Rollen in ihren Unternehmen übernehmen.

Hörbuch: Besser arbeiten – 66 Impulse für eine menschlichere Arbeitswelt und mehr Freude im Beruf

Ja ne, is klar! Wer den Buchtitel ließt, der denkt an Tischkicker, Home Office und die Gruppendynamik beim gemeinsamen Baum streicheln. Ich kann Dich beruhigen, es geht sehr konkret um die Weg, die man selbst in diese „Welt“ gehen kann. Es liegt nur weiterhin an Dir selbst, ob Du bereit bist aus Deiner Komfortzone zu treten. Bernd Slaghuis und Dr. Nico Rose schreiben in diesem Buch über Beobachtungen, Erfahrungen und Geschichten, die sie selbst gesehen, erfahren oder erlebt haben. Das ganze wird kombiniert, mit geballter Expertise und einer Ladung Humor. Inhaltlich konnte ich sehr viele Parallelen zur Stommel Haus Akademie entdecken. Ich möchte jedoch nicht spoilern, daher keine Beispiele. Ich kann nur soviel schreiben, es lohnt sich! Alleine schon, da man sich mit den Erkenntnissen der beiden Autoren vollumfänglich als Kaizen-Denker bei der Arbeit unterstützen und weiterentwickeln kann. Fast jedes Kapitel des Buches ist ein Feuerwerk an wirklich guten Impulsen, die ich in den meisten Fällen selbst so oder ähnlich schon erlebt habe. Besonders gut gefallen mir die Perspektiven auf die „weichen“ Faktoren. Wir sind Menschen und das wird, wie beide Autoren zu geüge ausführen, leider sehr oft vergessen! Auch das Thema Persönlichkeitsentwicklung, Zeitmanagement und der oft dogmatische Umgang mit Methoden und Best-Practice wird in diesem Hörbuch hervorragend eingeordnet. Ein Satz den ich mit auf ein T-Shirt drucken lassen muss, ist:

„Keine Zeit, ist Deine (im Buch Ihre) Endscheidung!“

Großartig! Wer hört nicht tausend mal am Tag die Aussage „Sorry, dafür habe ich keine Zeit“? Dem kann ich nur ein entschlossenes „Doch! Um genau zu sein, jeden Tag 24 Stunden zu Deiner freien Verfügung!“ Es kommt halt immer darauf an, was man selbst daraus macht. Alles eine Frage, von guten und schlechten Entscheidungen. Niemand, als man selbst trägt die Verantwortung und Entscheidungsgewalt über diese 24 Stunden am Tag.

Solltest Du nicht zufällig einen Spotify-Premium-Zugang haben, oder Dir einen anschaffen wollen, kannst Du das Buch auch direkt kaufen.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim hören!

Ich persönlich höre sehr oft ein
Hörbuch, gerne beim Laufen, bei der
Hausarbeit oder bei passender Gelegenheit
während der Arbeit. So kann ich viel mehr
lernen, als nur durch Bücher lesen. Zeigt
sich ein Buch jedoch als besonders Wertvoll,
dann schaffe ich es mir in der Regel auch
noch als Taschenbuch oder Hardcover an.
Darin kann ich besser makieren,
unterstreichen und auch eigene Notizen
schreiben.

https://nicorose.de/buch-besser-arbeiten/